Italien – Lombardei – Idrosee

Nach längerer Pause starteten wir unsere Reise an den Idrosee nach Italien.
Ein paar Vorbereitungen hatten wir schon in den letzten Tagen getroffen: eine Vignette für Österreich beim ADAC bestellt, ein Einreiseformular für Italien über das Auswärtige Amt online ausgefüllt und einen Reiseadapter für Elektrogeräte besorgt. Für die Verständigung vor Ort versuchen wir uns einige Vokabeln zu merken.

Die Anreise über die A3 und A7 entgegen dem Oster-Rückreiseverkehr bis nach Füssen verlief stressfrei. In Schwangau legten wir eine Kaffeepause im Hotel Rübezahl ein, da wir dort 2013 unsere Flitterwochen verbracht hatten.

Unser Etappenziel für den ersten Tag erreichten wir ein paar Kilometer weiter in Reutte/Tirol. Die Ankunft an unserem online gebuchten Hotel für die Nacht verlief nicht so erfreut wie gedacht. Das Sporthotel wirkte auf den Bildern deutlich einladender und moderner als es in Realität war. Auf der Suche nach einer charmanten Location für das Abendessen, fiel unsere Wahl auf das Soul-Food-Restaurant Joyce in der Fußgängerzone von Reutte. Die Speisekarte mit selbstgemachten Dinkelnudeln und frischen Zutaten las sich verlockend. Anders als beim Hotel war das hier Gebotene sein Geld wert. Wir sind satt und zufrieden ins Bett gefallen.

Eine Anreise in Etappen

Nach einer ruhigen Nacht und einem stärkendem Frühstück konnte die Weiterreise an den Idrosee von Reutte aus starten.

Wir hatten uns gegen die Strecke über den Brenner entschieden und fuhren über den Fernpass und Reschenpass im großen Bogen an den Ötztaler Alpen vorbei durch Österreich Richtung Südtirol. Der Grenzübergang am Reschenpass war rasch passiert und ganz unspektakulär waren wir in Italien angekommen.

Die Fahrt entlang der gewählten Route beschäftigte uns den ganzen Tag. Das Reisetempo war entsprechend der Verkehrslage und der Strecke eher bummlig. Dafür gab es Ausblicke in den Vinschgau mit seinen Apfel-Anbaugebieten. Interessant, aber für uns keine Urlaubsregion.

Die Mittagspause verbrachten wir pragmatisch auf einen Rastplatz an der Autobahn A22 mit unserem eigenen Proviant auf der Pritsche unseres Pickups, dafür aber mit gutem italienischem Kaffee aus der Raststätte. Gestärkt und hellwach ging es weiter auf die zweite Hälfte unserer Reise an den Idrosee.

Bei Trento verließen wir die Autobahn und eine gut ausgebaute Bundesstraße brachte uns unserem Ziel näher. Wir bekamen einen ersten Eindruck von der Straßenführung in der Region: Kurven, Serpentinen und Tunnel ließen einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage aufkommen. Und durch die hohen Berge und tiefen Täler erwartete uns in jedem Tal ein anderes Wetter.

Auf dem letzten Abschnitt legten wir noch eine kleine Verschnaufpause in einem kleinen Picknick-Park mit Bach und See bei sonnigem, aber kühlen Wetter ein, um uns die Beine zu vertreten und ordentlich durchzustrecken.

Wie schon von der Wetter-App angekündigt, änderte sich das Wetter am späten Nachmittag nochmal deutlicher und es wurde richtig kühl und regnerisch. Aber der Verkehr wurde weniger, die Straße kleiner und noch kurviger, bis dann endlich der Idrosee das erste Mal in Sicht kam.

Etwas ausserhalb der am Ostufer gelegenen Örtchen konnten wir uns auf dem Campingplatz für unsere gebuchte Ferienwohnung anmelden. https://www.lakeidro.com/

Es gab noch eine kurze Wartezeit zu überbrücken, bis unsere Ferienwohnung frisch gereinigt bereit war. Also schauten wir uns den Campingplatz näher an. Eine grüne Oase direkt am See gelegen mit schönen Mobil Homes und Safari-Lodge-Zelten. Normalerweise wäre einer der drei nebeneinander gelegenen Campingplätze für uns ein perfektes Reiseziel gewesen. Aber aufgrund des unbeständigen Wetters im April hatten wir uns lieber für eine Ferienwohnung entschieden.

Als wir dann die letzten Kilometer bis zu unserer Ferienwohnung in den kleinen Ort Vesta – eher eine idyllische Ferienhaussiedlung am Ende einer einsamen Uferstraße – zurücklegten, waren wir vom Idrosee schon begeistert. Unser Appartement mit Blick auf den kleinen Kiesstrand war prima und die Region gefiel uns auch wolkenverhangen und verregnet jetzt schon.

Ausgepumpt und geschlaucht von der doch längeren Fahrerei haben wir noch ausgepackt, bevor wir trotz aller Spannung auf den nächsten Tag ins Bett gefallen sind.

Erste Erkundungen der Umgebung

Ausgeschlafen, nach einer ruhigen Nacht trotz einem kurzen Gewitter, genossen wir das Frühstück mit Blick auf den See. Den Vormittag verbummelten wir ganz entspannt in der Ferienwohnung, da der Regen immer noch anhielt.

Gegen Mittag wurde es sonnig und trocken. Zu Fuß starteten wir zu einer kurzen Erkundungstour direkt von der Haustür ab. Neben dem Haus beginnt ein Pfad, der direkt oberhalb des Seeufers entlangläuft und vorbei an einer Kletterwand zu einem in einen Klettersteig führt. Das erklärt auch die Möglichkeit, am Campingplatz Alpine eine Kletterausrüstung leihen zu können. Das ist aber nicht unser Sport – schon gar nicht nach einem üppigen Frühstück.

Der Frühling beginnt in dieser Region später als bei uns. Die ersten Blumen fingen gerade an zu blühen und kleine Eidechsen sonnten sich auf den Felsen. Die Eidechsen sind uns im Urlaub häufig über den Weg gelaufen und hielten zu meiner großen Freude sogar für einige Fotos still.

Direkt am kleinen Kiesstrand vor dem Haus gibt es einen Steg als Anlegestelle für die ebenso kleine Personenfähre, die auf dem Idrosee in Nord-Süd-Richtung pendelt. Während unserer Urlaubswoche haben wir sie nur am Wochenende gesehen. Beim nächsten Mal werden wir damit sicher den See vom Wasser aus erkunden.

Am Nachmittag trieb uns unsere Neugier mit dem Auto in der näheren Umgebung. Dabei ließ sich gleich auskundschaften, ob die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort auch wirklich so sind, wie wir es zu Hause per Google Maps schon vorsondiert hatten.

Im Nachbarort Crone gibt es mehrere kleine Lebensmittelgeschäfte, die wir für das Auffüllen unserer Vorräte am Montag ausgedeutet hatten. Wir haben zwar einige Lebensmittel mitgebracht, aber Brot und Gemüse war schon wieder alle.

Die verfallene Festung Valledrane liegt etwas südlich des Idrosee, war aber wider Erwarten nicht mit dem Auto zu erreichen. Also verschoben wir die Wanderung dorthin auf den nächsten Tag. Man muss ja nicht den ersten richtigen Urlaubstag übervoll packen.

Auf der Serpentinenstraße dorthin gab es immer wieder schöne Haltebuchten mit Blick auf den See. Wir fuhren weiter die Straße entlang ins nächste Tal weiter und merkten bald, wie wir die Landkarte zu interpretieren hatten. Das würden wir am nächsten Tag noch deutlicher spüren.

Für heute hatten wir erstmal einen guten ersten Überblick über die Region erhalten. Auf der informativen Internetseite https://www.lakeidrotravel.com/de/ hatten wir uns einige Ausflugsziele für die nächsten Tage ausgesucht.

Festung Valledrane und italienische Straßen

Heute stand zuerst Einkaufen auf dem Programm. Seit Wochen lerne ich mit der App Duolingo Italienisch, um mich wenigstens ein bisschen verständigen zu können. Zusammen mit Google Übersetzer, ein paar Brocken Italienisch, Englisch und einem Lächeln gelang der Einkauf ganz gut.

Nach dem Mittagessen starteten wir zur Festung Valledrane. Die Festung aus dem Gebirgskrieg 1915-1918 ist frei zugänglich, aber nicht überall betretbar und auch kein hergerichtetes Denkmal. Für mich war es der erste Besuch eines Lost-Places. Auf einer Infotafel bekommt man den Einsatzzweck des Bauwerks recht genau erklärt.  Das verstärkte das beklemmende Gefühl, das die auf die angrenzenden Täler ausgerichteten Geschütz-Fundamente verursachen noch mehr – besonders mit der aktuellen Situation in der Ukraine im Hinterkopf.

Den Rückweg nahmen wir über eine andere Bergstraße, als am Vortag. Was auf der Karte als normale Landstraße zwischen den kleinen Ortschaften eingezeichnet ist, entpuppte sich als einspuriger Teerweg zwischen Felswand und Abbruchkante – gesichert mit rostigen Stahlpfosten als „Leitplanke“. Genauso hatten wir uns das gewünscht. Jetzt durfte nur kein Gegenverkehr kommen.

Die Straße führte zu Dörfern in über 1.000 m ü.N.N. und teilweise waren die Ortsdurchfahrten wirklich schmal. Wie es im Winter mit Schnee hier sein mag, konnten wir uns nicht vorstellen. Einige Straßen dürfen bei Schnee nicht befahren werden. Wie man dann zur Arbeit kommt oder einkaufen geht – keine Ahnung.

Biotop Lago d’Idro und Hausstrand in Vesta

An diesem Tag hatten wir uns trotz regnerischem Wetter die Nordseite des Idrosee ausgesucht. Leider haben im Biotopo Lago d’Idro viele Vogelstimmen hören können, aber nur wenige Vögel gesehen. Die Nordseite hat einen flacheren Teil und die Häuser haben meistens größere Gärten in denen auch Gemüse angebaut wird. Das Biotop liegt direkt an einem Campingplatz und am Idrosee. Mit einer langen gewunden Holzsteg kann man durch das Biotop durchlaufen. Wir hörten einige Vögel, sahen sie aber leider nicht. An einer Einmündung tummelten sich ein Pärchen Haubentaucher und ein paar weitere Wasservögel, die wir fotografieren konnten.

Am Abend erkundeten wir unseren Hausstrand in Vesta. Ein Weg führt direkt am See entlang und man kann auch direkt am Kiesstrand am Wasser entlanglaufen. Einige Enten tummelten sich auf dem See, ein Pärchen nutzte eine geschützte Stelle zum brüten.

Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug zu dem Berg Monte Stino und zu dem Stausee Valvestino geplant. Es erwarten euch im nächsten Bericht schöne Bilder von überraschenden versteckten Ecken in der Nähe vom Idrosee.

Monte Stino und Stausee Valvestino

Unser nächster Ausflug führte uns in die Regionen östlich des Idrosees. Um nicht ohne Proviant zu starten, kauften wir noch im Nachbarort Crone sehr leckere Brötchen, Croissants und fantastische Stückchen für den Tag und das Frühstück für den nächsten Morgen in einer kleinen Bäckerei.

Unser erstes Ziel war der Monte Stino. Auch hier hat es wieder einige Kriegs-Denkmäler und Gedenkstätten. Ein kleiner Rundwanderweg führte durch die früheren Schützengräben, die rund um den Gipfel verlaufen. Bei sonnigem Wetter genoßen wir Kaffee und Stückchen auf einer Bank neben der Gipfelfahne oberhalb alter Geschützgemäuer.

Das nächste Etappenziel für den Tag führte uns zu dem Stausee Lago di Valvestino. Auch hier kamen wir in den Genuss einer eindrucksvollen und sehr kurvenreichen Uferstraße und waren dauerhaft auf der Hut, dass uns keiner aufs Horn nimmt. Aber die Gegend ist sehr dünn besiedelt und es waren auch nur wenige Ausflügler unterwegs. Der Stausee ist spektakulär anzusehen, bietet aber sonst kaum Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten.

Auf dem Rückweg entdeckten wir noch eine Art Museums-Wassermühle. Ein schöner Platz, um sich im Mühlbach die Hände und Füße abzukühlen. Danach ging es über eine andere kurvige Bergstraße zurück zum Appartement nach Vesta. So langsam bekamen wir auch ein Gefühl dafür, wieviel Fahrzeit man für die Strecken benötigt. Somit waren wir zum Abendessen rechtzeitig zurück.

Ausflug zum Ledrosee und Gardasee

Die nächste Erkundungstour führte uns zum Lago di Ledro und zum Lago di Garda. Wir wollten uns die benachbarten und bekannteren Seen ebenfalls ansehen. Für die ein oder andere kleine Pause unterwegs waren uns die öffentlichen Picknickplätze entlang der Route lieber als die gut besuchten Gaststätten an den Hotspots – auch wenn die Pizza verlockend aussah.

Der Ledrosee wirkt etwas touristischer als der Idrosee und bietet viele Sportmöglichkeiten. Allerdings war es hier auch noch sehr ruhig. Man merkte, dass die Vorsaison herrschte.

Auch in Riva del Garda war es recht ruhig und wir konnten entspannt einen kleinen Rundgang durch die Stadt machen. In der Fußgängerzone entdeckten wir charmante, kleine Gässchen. Die Besucherströme waren noch vollkommen ok.

Unsere Entscheidung, den kleineren und unbekannteren Idrosee als Reiseziel auszusuchen, haben wir nicht bereut. Der einsame und naturnahe See mit seinen ursprünglichen Ortschaften ist für uns das schönere Reiseziel.

Forte di Cima Ora

Der nächste Tag erwartete uns mit wenig Sonne und kühlen Temperaturen. Mit mehreren Schichten Outdoorbekleidung und ausreichend Proviant – wieder Pizza, Croissants und Stückchen vom kleinen Bäcker in Crone – rüsteten wir uns für den anstehenden Ausflug zum Forte di Cima Ora.

Ursprünglich war eine deutlich längere Tour über insgesamt drei Pässe bis zum Passo Manila geplant. Die letzten Tage hatten uns aber einen guten Eindruck vermittelt, wie die Straßen abseits der Hauptrouten einzuschätzen sind. Bei der nochmaligen Onlinerecherche zur Schotterpiste von Anfo bis zum Manila-Pass kamen wir zu der Erkenntnis, dass die Route nicht für Fahrzeuge in der Größe unseres Pickups geeignet ist. YouTube-Videos einiger Endurofahrer zeigten verschüttete Passagen und Felsbrocken, die mit dem D-Max nicht wirklich umfahrbar gewesen wären. Deswegen steckten wir den Plan mit dem alten Militärweg auf.

Uns blieb die trotzdem spannende und schöne Anfahrt über den Ort Anfo entlang einer etwa 10 km langen Bergstraße bis zum Parkplatz am Passo del Baremone. Vielleicht wegen dem noch trüben Wetter kamen wir dort als erste an und genossen die Ruhe und Einsamkeit. Das Wetter sollte zum Nachmittag auch noch deutlich wärmer werden.

Zu den Überresten des Forte di Cima Ora führte ein leicht zu laufender Wanderweg von nur  1,4 km. Vom Dach des Forts gibt es einen Fernblick auf den Idro- und Gardasee. In der anderen Richtung sind Radarkuppeln oder ein Observatorium am Horizont zu erkennen. Wir haben aber nicht rausgefunden, was sich dahinter verbirgt.

Rückreise über Schwangau

Es war ein kurzweiliger Urlaub für uns am Idrosee und wir werden sicherlich nicht das letzte Mal hier gewesen sein. Etwas wehmütig beluden wir am letzten Morgen unseren Pickup und traten die Heimreise an. Für den Rückweg wählten wir die Route über den Brenner und kamen trotz starkem Regen entspannt an unserem Zwischenstopp in Schwangau am Foggensee an. Hier wartete ein zünftiges Abendessen und ein weiches Bett in einem netten, günstigen Hotel direkt am Seeufer.

Am liebsten hätten wir nach der Nacht im Allgäu vollgetankt, kehrt gemacht und wären wieder nach Süden gefahren. Doch die Vernunft hat diesmal noch gesiegt (ist das wirklich vernünftig?) und wir hatten immerhin eine fast leere Autobahn für uns auf dem Weg nach Hause. Mal sehen, wo es uns an unseren nächsten freien Tagen hin verschlägt.

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